Die Wissenschaft
Insulin und Fasten
Das Hormon, das über Speichern oder Verbrennen entscheidet, wie Insulinresistenz entsteht und was Fasten dagegen tun kann

Wenn Fasten einen Schalter hat, dann ist es Insulin. Dieses Hormon aus deiner Bauchspeicheldrüse sagt deinem Körper, ob er Energie speichern oder verbrennen soll. Wer es versteht, versteht, warum Fasten so wirkt, wie es wirkt, und warum es Menschen helfen kann, deren Körper begonnen hat, die Botschaft des Insulins zu überhören.
Das Speicherhormon
Wenn du isst, gelangt Glukose aus dem Essen ins Blut, und deine Bauchspeicheldrüse schüttet als Antwort Insulin aus. Insulin wirkt wie ein Schlüssel: Es lässt Glukose in Muskel- und Fettzellen, sagt der Leber, keine Glukose mehr zu bilden und einen Teil als Glykogen zu speichern, und sagt den Fettzellen, ihr Fett festzuhalten 1. Kurz gesagt: Hohes Insulin heißt „speichern“.
Wenn Insulin nicht mehr gut wirkt
Bei Insulinresistenz reagieren Muskeln, Leber und Fettgewebe schwächer auf den Insulinschlüssel. Um den Blutzucker normal zu halten, gleicht die Bauchspeicheldrüse das aus, indem sie mehr bildet. Jahrelang kann diese Mehrarbeit das Problem verbergen: Der Blutzucker bleibt normal, während das Insulin hoch ist. Wenn die Bauchspeicheldrüse irgendwann nicht mehr mithalten kann, steigt der Blutzucker – erst zum Prädiabetes, dann zum Typ-2-Diabetes 1.
Was Fasten bewirkt
Der spannendste Befund: Fasten könnte die Insulinempfindlichkeit selbst verbessern, nicht nur über Gewichtsverlust. In einer dänischen Studie fasteten gesunde junge Männer zwei Wochen lang jeden zweiten Tag 20 Stunden und aßen dabei genug, um ihr Gewicht zu halten. Danach brachte Insulin Glukose etwa 16 % schneller in ihre Zellen 2.
Das Timing zählt
Deine innere Uhr macht dich morgens und um die Mittagszeit empfindlicher für Insulin als nachts 5. Dieselbe Mahlzeit lässt den Blutzucker um 21 Uhr stärker steigen als um 9 Uhr. Das könnte erklären, warum frühe Essensfenster besonders vielversprechend aussehen: In einer viertägigen Studie senkte Essen zwischen 8 und 14 Uhr den durchschnittlichen 24-Stunden-Blutzucker und seine Schwankungen im Vergleich zu Essen zwischen 8 und 20 Uhr 6.
Quellen
- Petersen MC, Shulman GI. Mechanisms of Insulin Action and Insulin Resistance. Physiol Rev. 2018;98(4):2133-2223. doi.org/10.1152/physrev.00063.2017
- Halberg N, Henriksen M, Söderhamn N, et al. Effect of intermittent fasting and refeeding on insulin action in healthy men. J Appl Physiol (1985). 2005;99(6):2128-36. doi.org/10.1152/japplphysiol.00683.2005
- Sutton EF, Beyl R, Early KS, et al. Early Time-Restricted Feeding Improves Insulin Sensitivity, Blood Pressure, and Oxidative Stress Even without Weight Loss in Men with Prediabetes. Cell Metab. 2018;27(6):1212-1221.e3. doi.org/10.1016/j.cmet.2018.04.010
- Grajower MM, Horne BD. Clinical Management of Intermittent Fasting in Patients with Diabetes Mellitus. Nutrients. 2019;11(4):873. doi.org/10.3390/nu11040873
- Poggiogalle E, Jamshed H, Peterson CM. Circadian regulation of glucose, lipid, and energy metabolism in humans. Metabolism. 2018;84:11-27. doi.org/10.1016/j.metabol.2017.11.017
- Jamshed H, Beyl RA, Della Manna DL, et al. Early Time-Restricted Feeding Improves 24-Hour Glucose Levels and Affects Markers of the Circadian Clock, Aging, and Autophagy in Humans. Nutrients. 2019;11(6):1234. doi.org/10.3390/nu11061234
Kurze Antworten
Ein Hinweis zur Gesundheit
Fasting Tracker dient dem allgemeinen Wohlbefinden und ist kein Medizinprodukt. Fasten ist nicht für alle geeignet: Sprich zuerst mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, wenn du schwanger bist, Diabetes hast, eine Essstörung hattest oder Medikamente nimmst, und vor jedem längeren Fasten.

